Kino sollte nicht wie Reality-TV aussehen (eine Abrechnung mit der Hobbit und 3D HFR)

Von Avatar bis der Hobbit

Ich war im Kino und habe mich „erneut“ dem Erlebnis 3D „ausgesetzt“. Mein erster und letzter Film in 3D war Avatar und im Gegensatz zu (fast) allen anderen Kinogängern, fand und finde ich die 3D-Technik Scheisse!

Die Bildqualität finde ich einfach nur grotte! Ein total unnützer Effekt, der z.B. bei Avatar (und ich kann mir auch nicht vorstellen bei anderen Filmen) nicht den Hauch eines Zusatznutzens für den Betrachter hat. Ja da fliegt etwas vor der Leinwand umher, ja aber was denn? Ein Blatt, eine Blütte, nen Sper… toll!

 Der Trailer sah ja noch vielversprechend aus, in 2D auf dem Monitor.

Ich war maßlos enttäuscht, zudem diese 3D-Effekte auf Kosten der Gesamtqualität gehen, denn wenn man 50% des Filmmaterials nimmt und diesen zu Tode weichzeichnet um dann den restlichen 50% einfach maximal scharfzeichnet. Ich fragte mich warum soll ich dafür so ne bescheurte Brille aufsetzen und vor allem: warum will das Cinemaxx dafür noch X € Aufschlag haben?

Das gute: ich muss Filme nicht in 3D sehen. Und das ist gut, dass habe ich dann nach Avatar auch nicht wieder getan. Bis zu „Der Hobbit“ von Peter Jackson.

Eine unerwartete Reise

Peter Jackson ist so ein Technik-Junkie und in den Vorberichten habe ich bereits erfahren, er filmt in 4K (also 4-facher HD Qualität, ja ihr könnt Euch bald alle neue HD-Fernseher kaufen!) und dann auch noch mit 48 Bildern pro Sekunde. Das soll dazu führen, dass der Film schärfer und knackiger als alles andere zuvor sein soll… zudem wurde der Film in Full-3D gedreht, mit mehreren Spezialkameras um besonders plastische 3D-Effekte zu erzeugen.

Und wenn Peter Jackson schwärmt wie toll das ist, guck ich mir das natürlich einmal an, ich bin ja nicht proforma dagegen, sondern war nur von der bisherigen Qualität enttäuscht – und ich muss sagen, dass bin ich immer noch!

Hier erklärt Peter Jackson die Kameratechnik für den Film.

Die schärfe war überragend!

In Bilbos Hobbit-Höhle konnte man, wenn die Kamera einen Schauspieler fokussiert hatte noch Meter weiter hinten, in der letzten Ecke die Nägel in der Wand zählen. Supercrisp! Tiefenschärfe ade! Aber immerhin, ist hier eine Entwicklung zu beobachten, denn genau die Kritik welche ich an Avatar hab, dass man einfach den Hintergrund total unscharf produziert hat und der 3D-Effekt eigentlich dadurch entsteht das zwei komplett unterschiedlich scharfe Bühnen verwendet werden, dem ist man nun mit 4HD auf die Schliche gekommen. Aber sieht das jetzt wirklich besser aus?

Personen, z.B. Gandalf sah superalt aus in einigen Szenen in welchem die Kamera „nen“ Tick zu nah am Schauspieler war. Und bereits in der anfänglichen Retrospektive zur Geschichte des „einsamen Bergs“ bin ich aus allen Wolken gefallen: wie Scheisse sah das denn bitte aus??? Grau, Falten, alles scharf.😦

Kennt ihr diese französisch-deutschen Co-Dokumentationen über Mittelalter-Burgen und ihre Einwohner von ARTE? Da laufen dann echt Hardcore-Mittelalter-Fans (Live-Rollenspieler) in perfekt nachempfundenen Ausrüstungen umher und spielen Schlachten nach, sitzen grimmig am Feuer oder verlieben sich in holde Maiden. Doch trotz sensationeller Ausstattung sehen diese Dokus immer wie billige Dokus aus, was daran liegt das es sich um Berichterstattungen handelt. Da werden dann HMI-Scheinwerfer aufgebaut und Aufheller genutzt, aber eben alles in neutralen Licht, zudem werden „normale“ Kameras von Journalisten genutzt um aufzuzeichnen. Es wird also nicht wie im Kino z.B. üblich mit Licht und Kamera ein eigenständiger Filmlook erschaffen, welcher Atmosphäre und Tiefe erzeugt.

Ihr versteht was ich meine…?

4HD3DHFR vs. schicke Bilder

Und das ist mein Vorwurf an Peter Jackson – für den Eintrag in die Geschichtsbücher als erster Film in 4HD und HFR (High Frame Rate) hat er seine Kameracrew vergewaltigt und dem Film einen Look wie Reality-TV verpasst!
Teilweise sahen die Szenen sogar schlimmer als ARTE aus, da erinnerte mich die langweilig neutrale Ausleuchtung und ewig gleiche Tiefenschärfe sogar an die filmische Klasse von Soap- oder schlimmer noch Scripted-Reality-Produktionen!

Und zu allem Überfluss kamen dann wieder total unrelevante 3D-Effekte dazu, die dem Film nichts, aber auch rein gar nichts hinzugefügt haben. Ich sag nur Funkenflug aus dem Schornstein, Schmetterling oder Smaugs Feuer (das geht sogar noch fast als Story durch) – das allerschlimmste an den meisten 3D-Effekten war dann aber wiederum leider, es sah alles nach „Effekt“ aus, sogar auch noch nach Computereffekt und gerade das sollte der technische Fortschritt doch wenigsten mitbringen, dass diese nicht mehr so einfach erkannt werden können, oder?

Habt ihr Galandriels Falten um die Augen gesehen? Schlimme Sache. Wo wir bei den Elfen sind, Bruchtals Wasserfälle sahen toll aus, auch da gab es wieder ein hervorragendes Beispiel für einen überflüssigen (im wahrsten Sinne) 3D-Effekt oder was hat mir der Flug unterm Wasserfall durch eingebracht, wenn die ganze Szene wie eine Grafik aus einem Computerspiel aussah? Ganz böse waren in meinen Augen auch die Einstellungen in der Orkhöhle, viel zu hell, an mehreren Stellen viel ganz schlecht von oben beleuchtet und diese Schärfe war gerade in der Tiefe der Höhlen wieder ein total unpassendes stilistisches Mittel…

Welch ein Augenschmaus war es da doch die fast „gemalten“ Szenerien aus dem Herrn der Ringe im Kino zu sehen!? Wie wunderbar sahen die Sümpfe, Wälder und Berge aus? Wie märchenhaft weich wirkte Bruchtal? Wo ist das alles hin?

Warum?

Mein Fazit: ich mag immer noch kein 3D! Ich hab mit Überlängenzuschlag, 3D- und HFR-Zuschlag an einem Sonntag um 11:20 Uhr 16 Euro für eine Kinokarte gezahlt! Der Saal war voll, dem Cinemaxx kann es bei solchen Zuschauerzahlen so schlecht nicht gehen und bei den Preisaufschlägen dürften sie die Investition in die entsprechenden Abspielgeräte auch schnell wieder raushaben. Meinetwegen, brauchen sie auch nicht weiter zu investieren, denn wenn wir mal ehrlich sind werden bei Kartenpreisen von 16€ eher weniger Leute ins Kino gehen und dann gibts auch bald niemanden der noch Filme in 3DHFR sehen will!

Wie seht ihr das?

Hat Euch auch das Bild enttäuscht oder wart ihr begeistert? Mögt ihr den neuen Look? Was sagen eigentlich die Kameramänner dazu? Für die muss das doch ein Einschnitt in ihre Kreative und Handwerkliche Arbeit sein!? Und ganz wichtig: sieht der Film in 2D im Kino eigentlich gleich besser aus? Wenn ich mir den Trailer anschaue, mag ich das Bild dort gleich viel lieber!

Der offizielle Trailer für den Film, viel hübschere Bilder wie ich finde.

Trotzdem: ein großer Film

Was ich auf jeden Fall nicht in Frage stellen möchte ist der Film an sich! Die Geschichte war Top, die Unterhaltung hervorragend und hier hat Peter Jackson wieder seine stärken als Erzähler rausgehauen und mich fast 3 Stunden an den „Meisterdieb“ Bilbo Beutlin und seine Kameraden gefesselt. Zur Pause war ich sehr überrascht, dass schon die Hälfte um war. Ganz toll, ich freu mich schon den Film noch einmal und den kommenden im Kino zu sehen – trotz der erheblichen visuellen Mängel!

Also Film = Top!

Bilder = Top!

Bildqualität in 3D = Flop!

Meine Meinung…

Eine Antwort zu “Kino sollte nicht wie Reality-TV aussehen (eine Abrechnung mit der Hobbit und 3D HFR)

  1. Ich hab den Film gesehen, nachdem ich deinen Blogpost gelesen habe. Und ich hatte tatsächlich die Befürchtung, dass der Hobbit bildtechnisch rüberkommt wie Fawlty Towers. Zumal ich mich auch noch lebhaft erinnern konnte, wie sehr meine Perle den damals neuen Samsung-Fernseher gehasst hat, weil das Bild in der Grundeinstellung so eine Laientheateroptik vermittelte.
    Zum Glück war’s aber gar nicht so schlimm. War zumindest mein Eindruck. Mal abgesehen davon, dass Gandalf am Anfang echt durchzecht aussah – aber das lässt sich ja vermutlich mit dem gerauchten Kraut erklären.🙂 Ich bin im Grunde auch kein großer Freund von 3D – aber speziell bei Trickfilmen, die die Technik wirklich ausreizen, kann es sehr unterhaltsam sein. Bei den Hobbitsen hätte ich gut drauf verzichten können – auch wenn ich mich bei den brennenden Tannenzapfen tatsächlich mal kurz weggeduckt habe …
    Fazit, trotz des HFR3DDingenskirchens: reingehen. Und als nächstes mal schauen, was bei „Life of Pi“ so geht …

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