Werbergeschichten – Teil 1.

Ich hab die letzten Tage über mein Homeoffice etwas aufgeräumt, Mode-Magazine, Design-Kataloge, HTML-4.0-und-Flash-Bücher, Papierstapel und Belegexemplare aus 16 Jahren Werbung entsorgt. Die „Jahrbücher“ vom DDP, ADC und BFF sind auch schon im Container. (Weg mit den analogen Altlasten!) Und ich hab Staub gesaugt. Und meine Kenwood-Stereoanlage (so eine richtige Mehrkomponentenanlage aus den 90ern mit Verstärker und so!) anstelle des Druckers hingestellt – die ist nun via iPad mit Spotify direkt verbunden. Richtig guter Sound für ein Büro in welchem ich kaum bin. The Strokes zuckeln ihre Gitarrenparts fleissig rauf und runter – richtig gutes Album!

Nele spielt mit Ihrer Freundin Charlotta und ich sitze an meinem weißen großen und endlich einmal (fast) leeren Schreibtisch – und da kommt Facebook mit einer wunderbaren Ablenkung daher. Erst hab ich ne neue Tierpark-Website kritisiert und dann an einem wahnsinnig doofen Facebook-Gewinnspiel-Live-Auktion teilgenommen… und dann: BÄMM!

Immer auf Messers Schneide.

Ich selbst bin glaub ich eher der fleissige Normalo-Werber. Nicht so der extrovertierte Creative-FickR oder die kreischende „so-kann-ich-nicht-arbeiten“-Diva. Aber kennen tu ich sie ALLE! Teilweise mit Ihnen gearbeitet, einige kennt man dann so über sein „Network“ und überall tauchen die unterschiedlichsten Kreativen Charaktere wieder auf: am liebsten in Werbergeschichten.

Ich liebe Werbergeschichten. Ich bin ja selbst so ein Vollblutwerber. Ich find meinen Job einfach Klasse. Fand ich schon immer. Und man erlebt ja auch so einiges… schöne Dinge, tolle Erfolge, vernichtende Rückschläge, verrückte Sachen. Dies, das! Die tägliche Herausforderung sich etwas auszudenken und die dann meist noch größere Herausforderung dies mit zu wenig Budget, viel zu wenig Zeit und einigen hinterhältigen Einschränkungen des Kunden umzusetzen. Toll! Verrückt ich weiß…

Deshalb lese ich auch so gerne „Werbergeschichten“. Diese zeigen mir das bei uns doch alles ganz normal läuft! In den Geschichten ist es sogar immer schlimmer! Und immer wieder findet man so unendlich viele wahre Puzzleteile. Hier eine Kleinigkeit, dort eine andere, mal etwas menschliches, häufig kommunkative Abläufe (z.B. Eskalationsmails mit GF in CC) und ganz oft diese typischen Agentur-Stereotype: Eames-Chairs hier, viel schlimmer die besch**** Artemide Tolomeo Schreibtischlampen da und ich befürchte ja das ich in meinem Agenturleben auch keine Agentur mehr ohne diese verdammten ALCATEL-Telefonanlagen finden werde (die müssen in den 90ern mal alle Agenturinhaber auf ner Kaffeefahrt erst besoffen gemacht und dann zum Kauf der Systeme gezwungen haben! Aber das nur so eingeschoben…).

Damit eine Geschichte dabei unterhaltsam bleibt wird sie natürlich extrem überspitzt. Was bei uns an Anekdoten in 6 Monaten zusammenkommt füllt in einem Roman gerade mal 3 Seiten. Also muss verdichtet und übertrieben werden. Immer auf Messers Schneide, immer am Abgrund und gerne mal darüber hinaus.

BÄMM! 

Zurück zur Facebook-Ablenkung: Jahrbücher, Werbergeschichten und auf Messers Schneide sind die Schlagworte, die eigentlich ganz gut zu „Der unabgeschlossene Roman“ von Jan Hertel überleiten. Entdeckt durch mehrmaliges teilen in meiner Timeline muss es „wohl gut sein“ und das ist es!

Die Horizont schreibt als Intro in Ihren Artikel vom 27.0.3:

Ein Werber startet auf Facebook einen fiktiven Fortsetzungsroman – es geht um Werbung, Liebe, Kriminalität. Doch vor allem ist Der unabgeschlossene Roman ein Experiment.
Denn was zunächst als kleiner Scherz am Rande gedacht war, hat sich mittlerweile zu einem mehr als 50 Episoden umfassenden Komplex samt eigener Homepage entwickelt.

Ich habe nun während die Strokes den perfekten Soundtrack dazu liefern, gebannt auf meinen Rechner gestarrt und die ersten 20 Kapitel gelesen.
Es fängt geil an:

01

Er betrat das Haus, nicht ohne sich zu vergewissern, ob ihn jemand beobachtete. Valerie saß im Wohnzimmer am geöffneten Fenster. Ihr Blick war leer, als sie ihn bemerkte.
“Wie war dein Tag?” fragte sie ihn, ohne ihn dabei anzusehen. Sein Blick folgte ihrem, hinaus durchs Fenster in den Garten. Dort brannte es. Er ging näher, um zu sehen, was dort in Flammen aufging. Er erstarrte. Es waren seine ADC Jahresbücher. Ein letztes Mal, ein allerletztes Mal fragte er sie: “Sag mal, Valerie, hackt’s?”

Und ich kann Euch sagen das es in kurzen knackigen und wirklich gut geschriebenen Episoden so weitergeht. Amüsant, bekannt, übertrieben, nachvollziehbar und total durchgeknallt – gut!

Und Kapitel 20 endet dann bei Egg-Chairs, weil dem Protagonisten auch schon aufgefallen ist, dass es zu viele Eames-Chairs in Werbeagenturen gibt und zitiert dann auch gleich die wunderschöne Farbe „Elephant

Begonnen wurde der Roman auf Facebook, bekam dann eine eigene Fansite und lässt sich am einfachsten auf der Microsite lesen:

derunabgeschlosseneroman.de

Ab jetzt verfolge ich das auf dem iPad weiter, da sieht die Story auch gut lesbar aus, leider nur in „falscher Reihenfolge“ immer das neueste Kapitel zuerst. Naja, scrolle ich mich halt von unten nach oben durch oder clicke mich von Kapitel zu Kapitel.

Weiter so @Jan Hertel! Ich bin mir sicher das eine rasant wachsende Zahl von Werber/innen und Nicht-Werber/innen an deinen Worten kleben. Das macht Spa. Das begeistert. Schreib weiter so!

Und weil ich noch ein paar andere Werbergeschichten kenne, welche ich immer wieder gerne empfehle ist dies „Teil 1“.

to be continued…

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